An der Bar

EINS | Kommt ein Typ in ’ne Bar …

Tür geht auf, Typ kommt rein. Alter, denk‘ ich so zu mir, Alter, sieht der alt aus. Schlurft zur Bar. Sein linker Schnürsenkel ist offen. „Äh, Meister …“, sag ich noch, da latscht er mit seinem rechten Fuß auf den Senkel und es fegt ihn vom Stengel. In Zeitlupe fällt er nach vorne, wie ein Baum. Oh, denk ich noch, schon schlägt sein Gebiss auf die Stahlkante der Theke und seine Schneidezähne zerbröseln. Ekeliges Geräusch. Von ihm kein Mucks. Er rutscht ganz langsam runter wie Spucke an der Fensterscheibe. Karl glotzt. Erst dahin, wo eben noch der Typ stand, dann rüber zu mir. Er zieht die Schultern hoch. „Ruf’n Arzt“, sag ich.

Der Notarzt ist ein Arsch, macht mich an und nennt meine stabile Seitenlange „dilettantisch“. Ich frage, ob er sich vielleicht gleich mit in den Plastiksack legen möchte. Da ist Ruhe.
Jedenfalls war der Alte schon tot, bevor es ihn hin gehauen hat, sagt der Hagere von der Gerichtsmedizin. Hat noch ein paar Schritte gemacht, wie ein Huhn ohne Kopf.

Jetzt die Pointe: Todesursache ist Ertrinken. Lungen bis Oberkante Unterlippe voll mit feinstem Wodka. Schöner Tod, denke ich. Nein, sagt der Hagere, nicht schön. Auch mit Wodka macht Ertrinken nicht wirklich Spaß.

Mein erster Verdacht fällt auf die russische Mafia. Stichwort „Wodkaboarding“.

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